Leer-Stücke

FSJ Kultur und Projekt Dehnungsfuge 2015/2016 // Theater Eisleben

Bundesfreiwilligendienst Kultur und Bildung 2015/2016 // Theater der Altmark

Seit September macht Elisa ihr FSJ Kultur am Theater in Eisleben. Es ist nicht nur ein Bildungsjahr mit viel Theater für sie, sondern auch ein Engagementjahr im Projekt Dehnungsfuge. Ein Projekt, das sich mit dem Leerstand vieler Gebäude auf dem Land beschäftigt, gegen Rechtsextremismus arbeitet und vor allem Jugendliche, Migrant*innen und geflüchtete Menschen begeistern möchte, diese zu besetzen und kulturell zu nutzen.

Elisa erzählt, dass Mitte Oktober viele geflüchtete Menschen in Eisleben angekommen sind. Und sie. Die Miete für die Wohnung – die natürlich leer stand – kannsie von ihrem Taschengeld bezahlen. Da dachte Elisa sich: „´Ne erste eigene Wohnung ist cool!“ Zudem ist es schöner in der Stadt zu leben, in der sie auch arbeitet: „Dass es eben nicht nur mein Arbeitsort, sondern auch mein Lebensort ist und ich jetzt sagen kann, ich komme aus Eisleben.“ Ob die geflüchteten Menschen, die neu in Eisleben angekommen sind, dies irgendwann auch sagen werden? Es gibt riesige Bedenken bei den Einwohnern und Einwohnerinnen, meint Elisa. Trotz des Leerstandes, trotz der Überalterung. Oder gerade deswegen. „Wenn ich um acht abends raus gehe, dann sehe ich vielleicht zwei Autos und einen Menschen. Ab und zu sieht man auch junge Leute.“ Elisa nimmt die Bedenken der Menschen in Eisleben ernst. Sie möchte Geflüchtete ansprechen und für das Projekt begeistern. In Zukunft können sie zusammen mit Jugendlichen aus Eisleben leerstehende Gebäude oder Brachen nutzen und kulturell bespielen. Der erste Schritt ist die Kontaktaufnahme zu den Jugendlichen und den geflüchteten Menschen. „Das braucht Zeit“, sagt sie. „Es sollte auch jetzt nichts überstürzt werden, damit es nachhaltig sein kann.“

Einen Ort kulturell zu bespielen ist auch die Aufgabe von Muhamad Al Zain und auch er weiß, dass es Zeit braucht. Er ist Freiwilliger in der Dehnungsfuge und im Bundesfreiwilligendienst Kultur und Bildung. Er begleitet das Welcome-Café, das im Theater der Altmark angesiedelt ist. Dort können sich alle Menschen, die in Stendal leben, treffen und über die Künste austauschen. Für Muhamad ist das vor allem die Musik. 2015 floh der syrische DJ nach Deutschland. Als letztes hatte Muhamad in der Zwei-Millionen-Stadt Damaskus gelebt. Nun lebt er in Stendal mit ca. 40.000 anderen Menschen. Aber auch er füllt, genau wie Elisa, den Leerstand mit seinem Engagement und seiner Kreativität, durch die Kombination von Projekten wie die Dehnungsfuge und das FSJ Kultur. 

 Foto: Elisa Haftendorn

Foto: Elisa Haftendorn