Süd – Nord

Es ist ein weitverbreiteter Irrglaube, dass Zugvögel im Herbst gen Süden ziehen und im Frühjahr in den Norden. Zumindest von sechs Zugvögeln ist bekannt, dass sie genau andersherum ziehen. Sie sind aus Ecuador, Ruanda und Nepal nach Deutschland gekommen. Ihre Namen sind Paola, Ernest, Marie Diane, Richard, Sudarshan und Andrea. Alle sechs haben sich als Freiwillige in sozialen, kulturellen oder ökologischen Einrichtungen in ganz Deutschland engagiert. Zugvögel sind sie, weil sie alle über den Träger Zugvögel, interkultureller Süd-Nord Austausch e. V. nach Deutschland gekommen sind.

„Der Zugvögel e. V. versteht sich als ein politischer Verein, dem besonders die Sensibilisierung für die ungleiche Bewegungsfreiheit und Kritik an dem verbreiteten Entwicklungsgedanken wichtig sind“, erklärt Lena vom Zugvögel e. V. Der Verein entstand aus einer Initiative von deutschen Freiwilligen in Ecuador, die wiederum Ecuadorianer/innen ermöglichen wollten, in Deutschland einen Freiwilligendienst zu machen. Für deutsche Interessierte ist es unproblematisch, im Ausland einen Freiwilligendienst zu machen, aber für sogenannte „Incomer“ ist es sehr schwierig. An diesem Punkt zeigt sich die Ungerechtigkeit, die der Verein Zugvögel e. V. kritisiert. Ebenso herrscht in der Öffentlichkeit immer noch das Bild vor, dass internationale Freiwillige, die mit Geld, Wissen und Kultur aus dem Norden in südlichere Länder gehen, „dort unten“ helfen können. Der Verein Zugvögel e. V. hinterfragt diese Strukturen, macht auf postkoloniale Zusammenhänge aufmerksam und thematisiert, dass Rassismus dabei weiterhin eine große Rolle spielt.

„Die Freiwilligen, die nach Deutschland kommen, um hier zu helfen, sind ein Schritt in Richtung gleichberechtigte Teilhabe“, betont Lena vom Zugvögel e.V. Die BKJ e. V. mit ihrer langen Erfahrung als bundeszentraler Träger im FSJ Kultur steht dem Trägerverein und seinen Freiwilligen als Patin und Zentralstelle im Bereich Kultur zur Seite. Jens Maedler, Bundestutor bei der BKJ, betont: „Die Zugvögel machen Ernst damit, dass die internationalen Freiwilligendienste keine Einbahnstraße sein dürfen. Auch jenseits von Incoming-Programmen wird die globale Dimension von Freiwilligendiensten so an Bedeutung gewinnen. Unsere Aufgabe ist es, mit Partnern wie den Zugvögeln die Aufenthaltsvoraussetzungenzu verbessern.“